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Kostprobe? Enjoy.

 

Wie ich es finde Chefredakteurin zu sein

 

Die ersten Seiten unseres frohfroh-Magazins sind gesetzt. We’re getting there! Über 40 Mitwirkende und Interviewpartner*innen, vier Clubs, zwei Labels als Unterstützer*innen sowie zwei Plattenläden sind mit dabei. Ausschnitt meiner Gefühlswelt: so fckn excited war ich das letzte Mal zu Abizeiten, als alle Schüler*innen des Deutsch-Leistungskurses auf ein Zeichen der Lehrenden den schnippisch ausgeteilten Schriftbogen umdrehen durften und wir dann erst die gefürchteten Themen (Freie Erörterung! Are u kiddin’ me) sehen konnten und ich zu der Zeit glaubte, jetzt würde sich ALLES entscheiden. War nicht so, hat sich aber definitiv danach angefühlt.

Anyway, die ersten Seiten sind gesetzt! Ach, die Hälfte! Über die Hälfte. 2/3 Hälften. Das Cover. Crying. So wunderschön! Wie werden es die anderen finden? Mein Vater am Telefon: „Ich wundere mich stark über deine Risikobereitschaft.“

Versandtaschen bestellt, gutes „Geschäftle“ gemacht, günstig ist sowas, wenn man es in großen bzw. größeren Mengen bestellt. Schwer ist sowas, wenn man es bei der Post abholen muss. Egal.

So viele geile Texte, Illus, Fotos, Grafiken, Artworks, Statements. Ich muss ja nur korrigieren, mailen, ‚Gute Laune‘ machen, ernste Dankbarkeit zeigen, die ich ja wirklich empfinde, zusammenhalten (mich? die Seiten?). Auch mal etwas säuerlich sein, kein Tschüss unter Mails setzen, nur meine Signatur, ja, das ist tough! – „wäre schon geil es käme dann“ schreiben, doch nicht abschicken, nur in Gedanken, zurück, nochmal lieb nachfragen – Worte googlen, die ich schon hunderte Male richtig geschrieben habe, mir selbst nicht mehr trauen, dass, das; durch dieses, jenes, welches ersetzen, wie immer eben.

Anderes Thema, ich komme aber nochmal hier her zurück…

Meine erste CD war ein Album von Bon Jovi, Crush war es, wo „It‘s my life“ drauf ist. Mein erstes Konzert war dann aber Jeanette Biedermann (Rock my life Tour, ähnliche Wortkonstellation), ich stand relativ weit vorne, „innerhalb des Kinderzauns“, so nannten die zielgruppenbewussten Veranstaltenden das. Hinten dran standen die Eltern. Mein Vater hatte mich allerdings nur hingefahren, was voll okay war, bis mir dann in der Halle doch auffiel, dass ich schon „eher“ alleine war.

Er hat dann aber im Backstage noch ein Autogramm für mich von JB besorgt, weil er da wen kannte, was ziemlich cool war. Das Autogramm hielt ich die ganze Fahrt zurück nach Hause in meiner Hand; es war danach seitlich etwas aufgeweicht. Meine Mutter hat mich Zuhause gefragt, ob Michael mitgekommen sei. Sie ahnte es scheinbar, obwohl ich „Ja UND Nein“ antwortete (50-50). Sie war nicht so amüsiert darüber. Ich schon, denn ich hatte mein Autogramm.

Diese Geschichte ist also eine schwer verständliche Metapher (jetzt schließt sich der Kreis zum Deutsch LK), darüber, was es bedeutet, Herausgeberin dieses Magazins zu sein. Ich bin quasi die Fahrerin, die nicht mit zum Konzert kommt, schon dabei ist, aber selbst keinen Text veröffentlicht, zweite Reihe – mehr sogar noch, ich warte im Auto, weil ich auch viel zu erschöpft und manchmal fast sauer über das alles bin. Letztlich bleibt der Druck (Wortspiel!), auch ein gewisses Gefühl – ergebnisorientiert.

Wohlgemerkt: Herausgeberin und Chefredakteurin dieses einen Magazins, denn „nochmal mach‘ ich das nicht, haha.“ Kennt ihr das typische Gesicht dazu? Augenbrauen hoch, Kinn leicht zurück. Ich schon, antworte mir nämlich regelmäßig darauf: „Ähh, du wolltest das und dich hat auch eigentlich niemand drum gebeten, wenn ich recht drüber nachdenke.“

 

It’s full of power and things to say

 

Das Magazin wird übrigens, was meine Perspektive angeht, eine Mischung aus My Generation (The Who), Gianna Nannini (bello e impossibile oder Steuerhinterziehung, lasse euch wählen), und Move in Circles, Walk On Lines („maybe the best track I’ve ever made. I guess it has so much inside, it’s full of power and things to say, dedicated to someone very special and to a moment in my life“ – Héctor Oaks).

Das wollte ich einfach mal kurz erzählen.

 

© Andreas Tümmler, 2018

Romantischer Flüssigkeitsaustausch

 

Der kleinste Darkroom der Stadt. Das Schlafzimmer.
Licht aus, Licht an, das entscheide ich spontan.
Zu dunkel ist gruselig, zu hell ist Krankenhaus. Rotlicht? Abgedroschen, aber ich mag es. Hat was von Dunkelkammer. Von Kunst.
Rutschig kann es dabei werden. Soll es werden. Rutschig wie Pudding auf einer Latexplane. Vanillepudding. Warm und flüssig.
Eine gesunde, gute Konsistenz aller Flüssigkeiten ist hierbei begrüßenswert. Denn so heißt es ja: Flüssigkeitsaustausch. Ob via Snapchat oder persönlich. Hauptsache Hingabe.
Im Darkroom, bei Rotlicht. Ganz romantisch.

PS: Bei aller Flüssigkeitsliebe: Eintüten und_oder Eintüchern ist eine super Sache. Unter Umständen. Sicherheitshalber.

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_ Dieser Text erschien zuerst bei mimiundkaethe.com _

 

Im Auge des Betrachters / Wer im Glashaus sitzt

 

 

 

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Im Auge des Betrachters / Wer im Glashaus sitzt Es wird Techno gehört und Drogenrealität ist Realness. Der spöttisch-halb-geöffnete Mund passt zu den halb-geschlossenen Augen, die silberne Kette wurde aus dem Sperrmüll gefischt und Montags geht’s schon lange nicht mehr in die Uni. Das schwarze Leibchen hängt im Schrank, das neue Tattoo heilt auf der Stirn, der Schnodder sitzt in der Nase, blass ist Triumph bei Insta. Euphorisch, privilegiert, ironisch, vielleicht. Springt die Platte oder ist das ein Loop der Anfangsdosis? Erhaben über den profanen Spaß der Anderen, die nicht in Clubs feiern, sondern auf WG-Partys die Schuhe ausziehen müssen. Fun und Hedonismus, für alle. Wie seh‘ ich aus, gib mal den Spiegel. Aktuelle Debatten auf Vice lesen und das Privatfernsehen belächeln. Die lieben Eltern zahlen die Miete. So weit, so berlinclubmemes. „Na und, ist doch nicht schlimm?“, quäkt eine Mittzwanzigerin beleidigt heraus, sie zerschneidet gerade ein blaues IKEA-Röhrchen, zählt durch, zieht dabei die Nase hoch. Habe ich das etwa laut gesagt? Oh fuck, no. Denn wer im Glashaus sitzt, sollte lieber den Rollladen unten lassen. 📷 @flory.gruendig

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Vom Suchen und Finden (und Verlieren)

 

Gesucht, gefunden. 3,2,1, sowieso alles meins!
Ob vom Suchen und Finden der Liebe in Filmen oder vom Suchen und Finden der Liebes- und Lieblingsgegenstände, die uns die vermeintliche Welt bedeuten. Es wird gesucht und bestenfalls gefunden. Wenn das Suchen vergebens bleibt, ist es meist eine kleine bis mittelschwere Tragödie. Die Dinge, die uns die Welt bedeuten, fallen in Kategorie eins: Material. Iphone, Schlüssel, Notizheft, Brille, Geld, Perso, das letzte Tütchen Speed, das wir noch irgendwo versteckt haben (vor uns selbst oder vor dem Türsteher), fuck, wo war das noch? Das alles wollen wir halten, be-halten. Ist es weg, gestohlen, verlegt, verschwunden, einer Verschwörung zum Opfer gefallen, dann suchen wir, wie verrückt. Taucht es nicht auf, wird es ersetzt. Manchmal unter kleinen Tränchen, manchmal trotzig, manchmal kalt, ohne Gefühlsregung. Klick-klick-Boom, Warenkorb, Paypal, ausdiemaus.
Und dann gibt es noch die Dinge, die zwar in Kategorie eins fallen, aber die nicht ‚einfach so‘ ersetzt werden können. Liebesbriefchen, Fotoautomatenerinnerungen, Notizen, Tagebuchseiten. „Manche Dinge kann man nicht kaufen, für alles andere gibt es…”, ihr wisst schon.
Und ganz schwer, also mehr als mittelschwer, ist es mit Kategorie zwei: Menschliches. Menschen verlieren, finden wollen, suchen – ohje. Wo fängt man da an? Beim Akzeptieren? Akzeptiere, dass er weg ist. Dass er dich nicht mehr liebt, braucht, will, aus deinem Leben weg ist, such dir doch etwas anderes. Oder einen Schritt vorher, beim Realisieren? Realisiere, dass da etwas fehlt. Jemand fehlt. Ein fehlender Schlüssel macht sich spätestens vor der Tür bemerkbar. Wenn ein guter Freund, eine gute Freundin, ein*e Herzklopfen-Verursacher*in, ein*e Zuhörer*in fehlt – wann merkt man das? Man schaut wohl nicht so panisch links-rechts-hoch-runter (meistens runter) und durchsucht zittrig die Jackentaschen – da wird dieser jemand nicht sein.
Manche suchen auch sich selbst. Permanent.
Generation Perfektion, Generation Körperhass, Generation Gender, Generation Beziehungsunfähig (oft zitiert, deshalb wohl wahr). Für mich ist es die Generation Sucht-Noch. Sucht noch nach dem Super-super-Match, nach Vorbildern, nach Wegen, nach dem, was endlich gut genug ist. Sucht nach Liebe, Selbstliebe, Freundschaft, dem Leben und dem perfekten Instagramfilter.
Finden ist das vorläufige Behalten. Ständiges Suchen.

Vom Verlieren
Es ist ansteckend, anstrengend, ernüchternd, naiv.
Ich stürze mich darauf, es darf nicht entwischen – ging es dabei kaputt? Versehentlich. Tragödie. Habe es verloren.
3,2,1, – meins. 3,2,1, – komm zurück zu mir.
Ich hätte dich nicht gehen lassen dürfen.
Ich muss dich suchen, bin nicht komplett und – das ist, wie die Welt verlieren oder nie gehabt haben.

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Dieser Text erschien zuerst bei im gegenteil.de _

 

© David Szubotics, 2017

 

>> Lest mehr bei mimiundkaetheim gegenteil, frohfroh und der kreuzer (onlinePrint)

 

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